Theaterpädagogik – Die Reise ins Innere (Interview)

Christine_HoetschlBisher durfte ich bereits mehrfach an der Montessori Schule Landau an der Isar geniale Theaterpädagogik unter Leitung von Frau Hötschl bestaunen.  Ein Stück davon ist aus dem letzten Jahresthema Hochkulturen an der Schule entstanden. 5 Jungen werden nachts im Museum auf eine lebendige Zeitreise versetzt. Alles was ja jemals war hat auch eine Geschichte zu erzählen, welche erforscht werden will. Dadurch wird diese weiter entwickelt und detektivisch beleuchtet. In „Nachts im Museum“ begegnen sich Sumerer, Ägypter, griechische Götter, Römer, Ritter aus dem Mittelalter und Kelten, werden lebendig, zeigen ihre Art auf eine richtig beeindruckende Weise. Dabei wird eine ganz neue und genial komische neue Geschichte gesponnen. An den unterschiedlichen Schauplätzen im Museum, suchen die Jungen nachts ein verlorenen gegangenes Handy. Die Dialoge der Götter und den Vertretern der verschiedenen Kulturen sind einfach nur köstlich und nebenbei wird ganz viel Wissenswertes gezeigt. Mit so viel Spaß an der Sache wird ganz bestimmt allen das meiste immer in Erinnerung bleiben. Die über hundert mitwirkenden Kinder waren konzentriert und haben mit Feuer und Flamme bei diesem Projekt gearbeitet. Die Begeisterung in den Gesichtern der Kinder (und der Zuschauer natürlich auch :-D) sehen zu können waren einfach großartig. Diese Art von Lernen ging wirklich unter die Haut, so wie der anerkannte Gehirnforscher Gerald Hüther es sich für möglichst alle Lernende wünscht. Mit Stolz und ganz viel Freude blicken sicherlich die Kinder auf ein weiteres Erfolgserlebnis , in einer großen Stadthalle , großartig gespielt zu haben, gerne zurück.

Möglich macht dies unsere große Theatermacherin Frau Hötschl. Ich möchte mich ganz herzlich bei Ihr bedanken für Ihr Wirken und mit diesem Interview von diesem berichten.

Hallo Frau Hötschl!

Herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen um von Ihrer Arbeit zu berichten!

Hier nun meine Fragen an Sie.

  1. Frau Hötschl, Sie sind Theaterpädagogin und leiten den Rhythmikunterricht an der Montessori Schule in Landau an der Isar.  Sie sind seit 1998 an der Schule tätig, und Pädagogin mit Hingabe und Begeisterung. Was treibt Sie immer wieder zu dieser herausfordernden Tätigkeit an?

Ich bin jetzt seit über 25 Jahren in pädagogischen Einrichtungen tätig und es macht mir immer noch Spaß. Das bestätigt mir, dass es richtig war meinem Impuls zu folgen.

1998 wurde die Montessorischule in Landau an der Isar gegründet und ich folgte wieder meinem Impuls und stellte mich der Herausforderung den Start dieser Schule mitzugestalten. Ich bin immer noch mit Freude an der Schule tätig.

  1. Jedes Kind ist anders, jedes Kind erlebt Musik und Theater anders. Welche Arten von Entwicklungen sehen Sie in Ihrer Arbeit beim Erarbeiten der Theaterstücke und der Musik?

Rhythmik und Theater sind eine hervorragende Kombination die Persönlichkeit des Kindes zu stärken und den Prozess zur Selbstfindung zu unterstützen. Es steigert das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Beim Theaterspielen werden die körperlichen und sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten ebenso angesprochen wie der Gefühlsbereich und Phantasie der Kinder. Phantasien gewinnen im Theater eine wirkliche Gestalt.

Die eigene Körperwahrnehmung wird gestärkt indem man bewusst Gefühle körperlich zum Ausdruck bringt. Wie z.B. Freude, Trauer, Ekel…

Im gemeinsamen Theaterspiel kommt es zum Trainieren und Reflektieren des sozialen Lernens, zum Gespräch und gemeinsamen Erleben.

  1. Was passiert beim Einstudieren des Theaterstücks und dem Miteinander der Kinder? Zeigen Kinder etwas von ihrem Inneren? Etwas was vorher nicht sichtbar war?

Beim Entwickeln eines Stückes entsteht ein Prozess der die gesamte Gruppe beeinflusst. Als erstes ist es wichtig mit der Gruppe zu arbeiten, d.h. die Gruppe spielfähig zu machen, indem ich ihnen Fertigkeiten vermittle, die zum einen die Gruppe betreffen (zuhören, einander unterstützen, mitdenken) und zum anderen zu persönlicher Spielfähigkeit führen (Selbstsicherheit auf der Bühne, geschulte Stimme, empfindsamer Körper…)  in dieser Phase entsteht Vertrauen, Zusammenhalt und die Bereitschaft für ein gemeinsames Ziel – einer Aufführung – tatkräftig mitzuarbeiten.

Während des Prozesses kann es durchaus möglich sein, dass der einzelne Teilnehmer eine Fähigkeit von sich entdeckt, die er vorher noch gar nicht wahrgenommen hat und dann mit Begeisterung „spielt“ und „trainiert“.

  1. Was ist das Besondere an Theater und Musik in der Montessori Schule Landau? Worin besteht für Sie der Reiz Ihrer Arbeit?

Das Besondere an unserer Schule ist, dass durch den großen Zusammenhalt innerhalb des Kollegiums immer etwas Tolles entstehen kann, an dem sowohl die Kinder, das Team, ja, die gesamte Schule wächst. Im letzten Schuljahr hatten wir das Jahresthema „Die Hochkulturen“. Jede Klasse beschäftigte sich im Laufe des Jahres mit einer Hochkultur genauer wie z.B. die Sumerer, die Griechen, die Ägypter, die Römer und die Kelten. Es gab Referate, Geschichten, Ausflüge etc. Von all dem Erlernten entstand in jeder Klasse eine kleine Präsentation. Aus diesen Präsentationen versuchte ich ein Theaterstück zu formen. So entstand das Theater „Nachts im Museum“ und es spielten insgesamt 130 Kinder mit. Sie konnten ihr Wissen szenisch verpackt auf einer großen Bühne vor über 400 Zuschauern präsentieren. So ein Erlebnis vergessen die Kinder nie mehr.

Dass so etwas nur mit Teamarbeit, Engagement und Flexibilität im Schulalltag möglich ist versteht sich von selbst.

  1. Wie werden individuell für jedes Kind, dessen Stärken und Talente beim Theater und der Musik weiterentwickelt? Was macht den Kindern am meisten Spaß?

Ich versuche grundsätzlich an den Stärken der Kinder anzusetzen und diese noch zu fördern.  Die Kinder fühlen sich dadurch sicher und gewinnen an Selbstvertrauen. Dies wiederum macht sie mutig auch mal was Neues auszuprobieren,  z. B. im Theater eine „Antirolle“ zu spielen.

Der Spaß kommt übers Erleben am Gemeinsamen.

  1. Was war ein besonderer, intensiver Moment in Ihrer Arbeit mit Ihren Schulkindern?

Da gibt es sehr viele Momente die mich immer wieder ins Staunen bringen.

Bei einem Musical hatte ich ein Kind, das sehr gut singen konnte, für ein Solo im Auge. Es war sehr schüchtern, doch nach ein paar Überredungsversuchen traute es sich doch dieses Lied alleine zu singen. Schon während den Proben merkte ich wie es an Selbstvertrauen gewann und auch im Schulalltag immer selbstbewusster wurde.

Nach dem Auftritt ging dieses Kind mit einer anderen Körperhaltung und völlig neuen Ausstrahlung durch das Schulhaus.

So etwas erleben zu dürfen ist ein Geschenk und natürlich auch eine Bestätigung meiner Arbeit.

  1. Wenn Sie mit wenigen Begriffen folgende Aussagen kommentieren sollten, was würden Sie dazu sagen?
  • Förderung der Sinne – fördert die Sensibilität für unsere Umwelt
  • Entwicklung der Kreativität – in einer guten Umgebung kommt es von selbst
  • Förderung des Miteinanders – wichtiger denn je
  • Entwicklung der Persönlichkeit – besonders im Theater möglich
  • Kinder können ihre Vielfalt und neues ausprobieren und damit ihre Handlungsspielräume erweitern – wenn man ihnen die Freiheit dazu gibt

Vielen lieben Dank Frau Hötschl und Ihnen noch unbeschreiblich viele erfüllende Momente in Ihrem Wirken und weiterhin so viel Erfolg!

 

Meine Erfahrung, welche ich durch meine Tochter Hannah Maria mit Theater und Musik und den transportierten Geschichten erlebe, sind für uns richtungsweisend. Das erworbene Wissen ist präsent und wird immer mit einem guten und schönen Gefühl verbunden.

Ich wünsche vor allem Kindern viele Möglichkeiten sich im Spiel und in der Musik probieren zu können.  Das macht so viel Freude und den Eltern auch ;-D !